Freitag, 1. Mai 2020

Abenteuer Homeschooling aus der Lehrerperspektive

Hallo allerseits,

heute gibt's mal keine neuen Unterrichtsmaterialien von mir, sondern einen kleinen Erfahrungsbericht zum Homeschooling. Denn ganz ehrlich: mich interessiert es brennend wie es den anderen Lehrern damit so geht. Nur ich selbst hatte bisher überhaupt keine Zeit dazu irgendwas zu erzählen. Denn wegen der fehlenden Betreuung meiner kleinen Tochter sitze ich momentan im Homeoffice und das klappt mal besser und mal schlechter.

Eins habe ich schon mal gelernt: der Worksheet Crafter ist gold wert. Ohne das Programm wäre ich mit diesem Arbeitspensum wahnsinnig geworden. Daher erstmal ein riesiges Dankeschön an das WSC-Team, das gerade auch Himmel und Hölle in Bewegung setzt um die Situation für uns und die Kids zu verbessern. Gerade die App Worksheet Go, die es für Android und Apple Tablets kostenlos zum Download gibt, ist ein großer Hit. Ich bin schon oft von den Eltern gefragt worden, ob ich denn nicht noch schnell ein paar Übungen erstellen könnte, weil den Kindern das Üben so einen Spaß macht. Sowas ist natürlich auch für mich unglaublich motivierend und ganz ehrlich: Motivation brauche ich gerade.

Aber auch wenn ich am PC schon recht bewandert bin, wurde ich trotzdem aus meiner Komfortzone geschubst. Neuerdings bin ich jetzt auch unter die YouTuber gegangen, denn irgendwann muss man den Kindern ja auch mal was erklären. Und so habe ich inzwischen schon 6 Lernvideos zu den verschiedensten Themen erstellt. Dabei musste ich viel improvisieren, denn eine Tafel habe ich z.B. zu Hause nicht.
Also habe ich am Anfang unter dem Stativ gehockt und auf ein Blatt geschrieben (und ja, das ist so unbequem wie es aussieht).



Inzwischen gehe ich es etwas professioneller an und habe mir eine Software zugelegt, um meinen Bildschirm abzufilmen und dabei über Headset etwas einsprechen zu können. Das Programm SnagIt ist dafür klasse, aber leider auch nicht billig. Aber jetzt kann ich wenigstens z.B. im Wortsheet Crafter auf ein liniertes Blatt schreiben und dazu etwas erklären, während ich das Ganze filme. Auf das olle Blatt passten ja immer nur ein paar Wörter. Damit geht das Filmen jetzt ganz gut, ist aber immer noch tierisch zeitaufwendig. Insgesamt brauche ich für jedes Video schon so zwischen 2 bis 4 Stunden, denn es muss ja nicht nur geplant und gefilmt, sondern auch noch gschnitten werden. Mal ganz davon abgesehen, dass ich doch eher kamerascheu bin...

Seit 1 Woche machen wir in unserer Schule nun auch Videokonferenzen mit den Kids. Die Kinder freuen sich natürlich riesig, sich mal wieder zu sehen, doch ihre Aufmerksamkeitsspanne ist ja leider noch recht kurz und es wird auch gerne zwischendurch mal gequatscht. Daher finde ich persönlich Lernvideos unverzichtbar, denn nicht immer können alle Kinder an der Konferenz teilnehmen oder sind bei der Sache. Gerade für die Erstklässler ist es schwierig. Man muss da wohl einen guten Mix finden, aber das ist gar nicht so einfach, zumal ich leider nicht unbegrenzt Zeit habe. Meistens arbeite ich wenn die Kleine schläft, also Mittags oder abends. Doch den Löwenanteil mache ich am Wochenende, wo mein Mann die Kleine beaufsichtigen kann. Freizeit ist also gerade nahezu keine da...

Wie sind denn eure bisherigen Erfahrungen so? Wie geht's euch anderen Lehrern und den Eltern mit der ganzen Situation?
Würde mich über eure Erfahrungsbrichte freuen!

Liebe Grüße,

Steffi


Kommentare:

  1. Hallo Steffi,

    bei mir kam's so.... ich hatte die Idee bei einer Online-Aufgabe mit meinen Zweitklässlern, mein Handy an die Bürolampe zu binden (mit Haargummis :)). Dabei stellte ich eben fest, dass das eigentlich nichts anderes als ein Ersatz für meine Dokumentenkamera aus der Schule ist. Also holte ich diese am nächsten Tag mit Erlaubnis der Schulleitung. Schnell mit USB an meinen Laptop angeschlossen. Seither bin ich glücklich....Hände frei, bequeme Nutzung bei Erklärungen online und auch filmen ohne Schneiden. Außerdem habe ich so ein Multikönner Laptop, bei dem ich auch einen Stift habe, mit dem ich zeichnen, malen, beschriften kann direkt auf meinem Touchscreen.

    Ansonsten geht es mir, wie allen Eltern, die sich mit Lernen zuhause und Homeoffice rumschlagen. Beim Grundschüler behalte ich den Überblick durch den Wochenplan. Allerdings muss ich sehr agil und wachsam sein, wenn es heißt von meinen 14jährigen zu erfahren, welche Aufgaben gerade bei ihm anstehen.

    Große Hilfe und Unterstützung sind:
    - das vorher aufgebaute und vertrauensvolle Verhältnis zu den Eltern meiner Klasse
    - der unersetzliche WorksheetCrafter.

    Wie du eben berichtet hast, ist mein größter Feind die Zeit. Jede Arbeit muss ich erst aus allen Perspektiven so durchdenken, dass es die Kinder möglichst allein und ohne Schwierigkeiten zu Hause erledigen. Aber ist es nun halt ein Video, müssen die Eltern die noch jungen Schüler dabei im Blick haben und unterstützen. Ist es analog, lernen Schüler sehr schnell "Nabelschnur"-Tricks: "Mama, das verstehe ich nicht!"; "Ich weiß nicht wie das geht!". "Ich lese nur, wenn du bei mir sitzt!" "Ich kann das nicht!" "Ich weiß nicht welches Heft damit gemeint ist(bei Abkürzungen)!"etc. Zuhause ist einfach nicht Schule....
    Außerdem wäre der komplette Zusammenbruch geschafft, wenn es kommen würde, dass ich selber am Vormittag "die halbe Klasse" unterrichte und die restlichen Kinder, die aus den verschiedensten Risikogründen nicht dabei sein können, online unterrichtet bzw. mit Wochenplan bedient werden müssten. Das ist zur Zeit meine größte Horrorvorstellung.

    Gerne könnte ich mein letztes Video hier hochladen. Ich hatte das Thema Märchen und dieses Bilderbuch war der Abschluss am Freitag!

    Liebe Grüße und viel Freude allen beim Sammeln der Erfahrungen "Lernen zuhause"
    Ana

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Ana,
      vielen Dank für die ausführliche Antwort. Das ist super interessant. Eine Dokumentenkamera haben wir in der Schule leider nicht, davon träume ich nur. :-(

      Unsere Schüler bekommen täglich einen Tagesplan, wo sie die einzelnen Aufgaben abhaken können. Ein Wochenplan wär mir auch lieber gewesen, aber unsere Schule hat das so entschieden.

      Ich glaube auch, dass das lernen zu Hause für die Kinder von Woche zu Woche schwieriger wird. Denn irgendwann ist es auch für sie schwer, sich noch alleine zu motivieren. Das von dir geschilderte Horrorszenario ist auch meine Befürchtung. Keine Ahnung wie ich dieses Schippchen an Mehrarbeit noch stemmen können sollte...

      Das Video fände ich interessant. Übernächte Woche sind Märchen auch bei uns Thema. Da bin ich für jede Inspiration dankbar.
      Liebe Grüße,

      Steffi

      Löschen
  2. Hallo Ana,
    bei mir bekommen die Schüler seit Woche 1 einen Wochenplan mit Pflichtaufgaben. Diverses Zusatzmaterial schicke ich per Email dann Mitte der Woche. So können die Kinder sich etwas aussuchen, was die Eltern dann ausdrucken. Zweimal pro Woche bin ich zur Videotelefonie online, das klappt gut, die Kinder kommen in den Chat, mal alleine, mal sind gerade 2-3 online. Anfangs habe ich versucht, eine Art Unterricht zu machen, also alle online und ich erkläre etwas. Das hat leider nur bedingt geklappt, da ich auch Erstklässler habe, die waren dann zu aufgeregt und ständig hat jemand reingesprochen. Jetzt sind wir an der Schule auf Teams umgestiegen, damit werde ich es noch einmal probieren, weil man da ja die Mikrofone stummschalten kann.
    Ansonsten nutze ich den Worksheetcrafter auch sehr umfassend, habe ich allerdings davor schon.
    Was ich ebenfalls rückgemeldet bekomme ist, dass es langsam auch bei den motivierten Schülern schwierig wird...
    Viele Grüße

    AntwortenLöschen